Die 4 Phasen des Wandels — Warum Menschen so verschieden mit Krisen umgehen — abge­leitet von E. Kübler-Ross

Arbeit gelassener schaffen, Für Organisationen | 1 Kommentar

Selbst­ge­wählte Verän­de­rungen geben uns Schwung. Sie können uns sogar rich­tig­ge­hend beflü­geln. Ganz anders sieht es aus, wenn wir uns auf etwas Neues einstellen müssen, weil es von außen oder „von oben“ vorge­geben wurde. Damit tun wir uns schon sehr viel schwerer!

Noch krasser ist das bei Krisen. Denn jetzt spielen Unsi­cher­heiten, Ängste und Stress eine enorme Rolle. Das Beson­dere an Krisen: Wir werden zum Handeln gezwungen, um etwa Gefahren abzu­wenden oder Schaden zu begrenzen, und das bei unklarer Perspek­tive, denn wir wissen am Anfang nicht, wo uns das hinbringen wird.

Der Krisen-Fahr­plan

Unter Belas­tungen reagiert jeder Mensch anders. Trotzdem gibt es so etwas wie einen „Fahr­plan“ oder Ablauf, den wir in Krisen mehr oder weniger intensiv durch­laufen. Wir verdanken ihn der Psych­ia­terin Elisa­beth Kübler-Ross.

Kübler-Ross erkannte verschie­dene Phasen, die schwer­kranke Menschen im Umgang mit ihrer Diagnose durch­liefen: Nicht-wahr­haben-wollen -> Zorn -> Verhan­deln -> Depres­sion -> Akzep­tanz. Dieser „Krisen-Fahr­plan“ wurde auf Verän­de­rungs­pro­zesse ange­passt, dem sog. Change-Modell:

Phase 1: Nicht sein kann, was nicht sein darf! 

Das ist die soge­nannte Schock­phase. Uns hat – oft völlig unvor­be­reitet – eine Infor­ma­tion erreicht, die unser bishe­riges Arbeits-/Leben ins Wanken bringt. Etwa, wenn Sie erfahren, …  

  • dass Ihr Betrieb an einen weit entfernten Standort verla­gert wird.
  • dass Ihre Firma Stellen abbaut und Ihnen die Entlas­sung droht.
  • dass sich Ihr Partner trennt.
  • dass Sie schwer erkrankt sind.
  • dass ein geliebter Mensch plötz­lich gestorben ist.

Diese Ereig­nisse können uns mit solcher Wucht treffen, dass wir das Gehörte nur abstrakt zur Kenntnis nehmen. Wir sind in einer Art Schock­zu­stand wie einge­froren.

Wir können nicht glauben, was wir gehört haben und hoffen, dass uns jemand kneift, damit wir aufwa­chen. Je nachdem woher die Nach­richt stammt, reden wir uns ein, dass das nur ein Gerücht ist, verdrängen oder ziehen es zumin­dest in Zweifel. 

Phase 2: Nicht mit mir!

Dann kommt der Moment, da ist es amtlich! Die Verän­de­rung lässt sich nicht mehr leugnen.

Je nach Typ fühlen wir uns der Situa­tion eher macht- und schutzlos ausge­lie­fert und reagieren mit depres­sivem Schmollen. Oder genau anders herum: Wir stellen uns trotzig und wütend gegen das Unab­än­der­liche.  

Diese Phase ist total mensch­lich. Wir sind über­wäl­tigt und kämpfen passiv oder aktiv gegen die Verän­de­rung an. Genau das kann aber auch wie ein Sprung­brett für die nächste Phase wirken, nämlich dann, wenn wir diese Stim­mung zulassen, ohne uns aber darauf zu versteifen.

Andern­falls laufen wir Gefahr, uns als Opfer zu sehen und entweder passiv-abwar­tend zum Spiel­ball zu werden, zu resi­gnieren, oder — und das ist genauso ungünstig — eine dauer­hafte Trotz- bzw. Anti­hal­tung zu entwi­ckeln. Beides würde in eine Sack­gasse führen.

Phase 3: Was ist für mich drin?

In dieser Phase kommen wir an, sobald wir die Gege­ben­heiten – und damit auch Trauer und Verlust – zulassen können. Diese Gefühle sind nicht ständig da, sondern poppen wie von alleine und unge­steuert in Inter­vallen, manchmal sogar in den „unpas­sendsten“ Momenten hoch.

Wichtig ist, zu verstehen, dass wir nicht linear Phase für Phase durch­laufen, sondern dass wir oft zwischen den Phasen hin- und herwech­seln. Wir gehen zwei Schritte vor und einen zurück, wech­seln also immer wieder mal zwischen Kampf bzw. Depres­sion (Phase 2) und dem Spüren unseres Verlustes (Phase 3).

Im opti­malen Fall setzen wir uns immer häufiger mit der neuen Situa­tion ausein­ander, während die Schmoll- und Trotz­phasen immer kürzer werden.

Unser Inter­esse daran, wie die neue Zukunft für uns aussehen könnte, wird stärker und wir werden aktiv, indem wir z. B. Infor­ma­tionen einholen, nach guten Wegen und Lösungen für uns suchen und uns dafür einsetzen.

Phase 4: Ange­kommen im Leben nach der Krise

Der Schritt der Verän­de­rung ist voll­zogen. Wir beginnen, uns in einem neuen Alltag zurecht­zu­finden.

Jetzt können wir Vor- und Nach­teile sehen im Vergleich zu „früher“. Auch hier ist es so, dass wir nicht linear voran­schreiten. Wir erleben Fort­schritte, Momente in denen wir uns freuen und in denen das Früher nicht vorkommt. Und es gibt Trau­er­phasen, die uns scheinbar zurück­werfen. Aber diese Wech­sel­bäder gehören zum Abna­be­lungs­pro­zess.

Trauern ist gesund,
solange wir es nicht kulti­vieren und aufrecht­erhalten wollen.

Das Geschenk der vierten Phase ist, dass wir jetzt erkennen können, was wir selbst geleistet haben, um die Verän­de­rung aktiv und unter Berück­sich­ti­gung der eigenen Inter­essen zu voll­ziehen.

Der Krisen­fahr­plan kann uns zu verstehen helfen: Uns selbst und andere

Pendeln zwischen den Phasen: Gene­rell gilt, dass wir nicht alle Phasen Schritt für Schritt durch­laufen, sondern vor und zurück pendeln. Genauso müssen wir nicht zwangs­läufig durch alle Phasen durch. Manche Menschen lieben die Verän­de­rung mehr als den Status quo. Sie können sich schneller auf neue Bedin­gungen einstellen und sogar dafür begeis­tern oder neue Chancen für sich darin erkennen.  

Wir haben Einfluss auf den Krisen­ver­lauf: Der „Krisen­fahr­plan“ zeigt uns, welchen Einfluss wir auf unser Krisen­er­leben haben und welche Phasen wir bei der Bewäl­ti­gung durch­laufen.

Jeder trauert auf seine Weise: Das Phasen-Modell hilft uns dabei, einzu­schätzen, wo wir bzw. wo andere gerade stehen. Das macht das Change-Modell so wert­voll. Wir können besser verstehen, dass jeder auf seine Weise mit einer Krise umgeht und eben auch seine eigene Zeit dafür braucht.    

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Verständnis und Tole­ranz im Umgang mit sich selbst und gegen­über Ihren Mitmen­schen in akuten Krisen­si­tua­tionen.

Ihre Karin Vitting­hoff

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1 Kommentar

  1. Ingrid Brzoska

    Danke, ein Artikel der Mut macht!

    Antworten

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