Was ist eigent­lich Betrieb­li­ches Einglie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM)?

Arbeit gelassener schaffen | 2 Kommentare

Betrieb­li­ches Einglie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) klingt sperrig, ist aber eine gute Sache. Einmal für Sie als Mitarbeiter/in bzw. Führungs­kraft, weil es für Sie leichter wird, nach einer Krank­heit wieder an Bord zu kommen. Ande­rer­seits für Ihren Arbeit­geber, weil er Planungs­si­cher­heit bekommt und gut einge­ar­bei­tete Leute behält.

BEM soll konkret dazu beitragen, …

  • eine Krank­heiten zu über­winden,
  • einer erneuten Erkran­kung bzw. Arbeits­un­fä­hig­keit vorzu­beugen
  • und auf diese Weise den Arbeits­platz zu sichern.

So will es das Gesetz (§ 167 SGB IX).

Auf BEM haben Sie als Beschäftigte/r Anspruch, wenn Sie 6 Wochen und mehr inner­halb der letzten 12 Monate krank bzw. arbeits­un­fähig waren.

Es gibt außerdem die sog. „stufen­weise Wieder­ein­glie­de­rung“: Das ist eine wirk­same Rück­kehr­hilfe der Kran­ken­kassen. In Absprache mit dem Arzt stimmen Sie dann die tägli­chen Arbeits­zeiten für die ersten Wochen ab und infor­mieren Ihren Arbeit­geber darüber.

Im BEM-Gespräch ist Klar­text ange­sagt

Im soge­nannten BEM-Gespräch geht es um die Details für Ihre Rück­kehr an den Arbeits­platz. Das Gespräch findet mit Ihnen und mindes­tens einem Vertreter Ihres Arbeit­ge­bers statt.

Dabei sind vor allem zwei Kern­fragen wichtig:

Besteht ein Zusam­men­hang zwischen Ihrem Arbeits­platz und der Erkran­kung? Manchmal sind es Arbeits­be­din­gungen, die auf Dauer krank machen. Das kann z. B. der Fall sein, wenn Mitar­beiter in der Nähe von Faxgeräten/Druckern/Kopierern gesessen haben und aller­gisch auf den Fein­staub reagieren. Oder die Nerven werden über­stra­pa­ziert, weil täglich verär­gerte Kunden am Telefon beru­higt werden müssen oder weil es große Span­nungen im Team gibt.

Gibt es eine blei­bende körper­liche oder psychi­sche Einschrän­kung? Nach manchen Erkran­kungen bleiben dauer­haft Einschrän­kungen zurück: Wer nach einer Augen-OP schlecht sieht, braucht even­tuell Hilfs­mittel am PC. Wer eine Band­scheiben-OP hatte, darf viel­leicht nicht mehr den ganzen Tag sitzen und muss auch im Stehen arbeiten können. Wer seine Stress­re­sis­tenz verliert, braucht viel­leicht andere Arbeits­auf­gaben.

Beide Fragen helfen dabei, den Arbeits­platz gege­be­nen­falls so anzu­passen, dass Sie als Beschäf­tigter dort dauer­haft gut weiter­ar­beiten können. 

Nicht erfor­der­lich und nicht ratsam ist das Spre­chen über Diagnosen und Prognosen im BEM-Gespräch. Schlechte Gesund­heits­dia­gnosen und Prognosen können im schlimmsten Fall als Kündi­gungs­grund herhalten. Deshalb sollten diese erst gar nicht „akten­kundig“ werden. Entschei­dend für die Ausge­stal­tung Ihrer Rück­kehr sind die zwei konkreten Fragen oben. 

Der Start­schuss geht vom Arbeit­geber aus

Ihr Arbeit­geber lädt Sie zum BEM-Gespräch ein. Das ist im opti­malen Fall ein soge­nannter BEM-Beauf­tragter. Sie als Beschäftigte/r können die Einla­dung ohne Angabe von Gründen verwei­gern oder auf später verschieben.

Das Ablehnen macht dann Sinn, wenn Sie kein Vertrauen in das BEM haben. Entweder weil sich in Ihrem Haus herum­ge­spro­chen hat, dass der Ton in den Gesprä­chen nicht vertrau­ens­voll und gleich­be­rech­tigt ist oder weil die Anliegen der Beschäf­tigten nicht ernst genommen werden.

Ein Verschieben ist sinn­voll, wenn aus Ihrer Sicht die Rück­kehr an den Arbeits­platz noch gar nicht absehbar ist.  

Nehmen Sie die Einla­dung zum BEM an! Das ist meine Empfeh­lung. Bespre­chen Sie sich vorher mit einer Person Ihres Vertrauens, z. B. einem Ihrer Inter­es­sens­ver­treter. Das gibt Sicher­heit, wenn Sie Angst vor dem Gespräch haben oder weil es einfach Neuland für Sie ist. So sind Sie gut vorbe­reitet.

Sie dürfen übri­gens eine Begleit­person zum Gespräch mitbringen; kündigen Sie das einfach vorher an. So haben Sie jemanden an Ihrer Seite und notfalls ein Sprach­rohr für Ihre Belange.

Wenn Sie eine aner­kannte Behin­de­rung haben, muss die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung dabei sein bzw. auf Wunsch auch der Betriebs­arzt. 

Wenn Sie keine Einla­dung zum BEM bekommen haben

BEM ist ein relativ junges Gesetz (seit 2004) und noch längst nicht in allen Betrieben und Verwal­tungen ange­kommen bzw. umge­setzt worden.

Wenn Sie Anspruch auf ein BEM haben, also 6 Wochen in den vergan­genen 12 Monaten krank waren oder länger, dann können Sie das BEM von Ihrem Arbeit­geber verlangen. Spre­chen Sie dazu Ihre Perso­nal­ab­tei­lung und Ihre Inter­es­sens­ver­tre­tung an.

Eine gute Rück­kehr an Board für Sie

Ihre Karin Vitting­hoff

 

2 Kommentare

  1. Ingrid Brzoska

    WIe immer, super! Kurz und knackig mit tollen Beispielen! Alles Gute! Ingrid Brzoska

    Antworten
    • Karin Vittinghoff

      Danke liebe Ingrid 🙂

      Antworten

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