5 typische Annahmen, warum Mitarbeiter-Beratung nichts bringt – und wie es tatsächlich ist

von | Jun 14, 2020 | Arbeit gelassener schaffen, Psychische Gesundheit im Unternehmen

Es brennt Ihnen einiges unter den Nägeln. Da würden Sie schon gerne mal offen mit jemandem drüber sprechen. Am liebsten mit einem Menschen Ihres Vertrauens, der Ihnen sein Ohr leiht und der Sie versteht.

Sie wissen, da gibt es professionelle Berater, die Sie buchen können. Vielleicht haben Sie sogar die Möglichkeit, sich kostenlos beraten zu lassen, weil Ihr Arbeitgeber diesen Service „Externe Mitarbeiter-Beratung“ anbietet.

Aber Sie fragen sich, „Was soll mir das bringen?“:

  1. Berater kennen meinen Job nicht und können mir deshalb nicht helfen.
  2. Berater können an den belastenden Umständen (z. B. Personalmangel, viel zu viel Arbeit, miese Stimmung, unfairer Chef) auch nichts ändern. 
  3. Ich hab eh schon genug um die Ohren und sehe keinen Sinn darin, darüber zu reden oder gar zu rumzupsychologisieren. 
  4. Berater haben ihre eigenen Vorstellungen und Standardtipps, die sie jedem geben – Ich weiß selbst am besten, was gut für mich ist! 
  5. Was Berater sagen, ist alles graue Theorie, mit der Umsetzung werde ich alleingelassen.

An diesen Annahmen ist was dran und dennoch ist Beratung extrem hilfreich. Lassen Sie uns mal gemeinsam näher hinsehen.

1. „Berater kennen meinen Job nicht und können mir deshalb nicht helfen.“

Ja, das stimmt. Und gleichzeitig ist genau das ein großer Vorteil! Berater fragen sehr gezielt nach, wir setzen nichts voraus.

Indem Sie beispielsweise über Ihre Arbeitssituation sprechen, die Sie stresst oder unzufrieden macht, werden Problemzonen sichtbar, die man selbst – wenn man mittendrin steckt – nicht immer wahrnimmt, etwa weil der Schuh woanders zu drücken scheint oder die „Betriebsblindheit“ zuschlägt, die jedem von uns diverse blinde Flecken beschert. Das können z. B. Ungereimtheiten in der Bearbeitung von Aufgaben sein, ungeschriebene Gesetze oder unklare Schnittstellen.

Das alles erkennt ein externer Berater durch sein neutrales Zuhören und die Bereitschaft, Ihre Situation zu verstehen. Durch Nachfragen und um Ihre Lage genau zu verstehen, kommen Problemzonen und Lösungsansätze erst zum Vorschein. Alleine das mal alles offen aussprechen anstatt es nur irgendwie so im Kopf zu haben, schafft Klarheit.

Auch wie Ratsuchende etwas erzählen oder ob z. B. etwas „wie nebenbei“ erwähnt wird, ist relevant. So hören wir Berater oft etwas zwischen den Zeilen und haken ein, um zu schauen, ob das für den Ratsuchenden relevant ist.

2. „Berater können an den belastenden Umständen (z. B. Personalmangel, viel zu viel Arbeit, miese Stimmung, unfairer Chef) auch nichts ändern.“

Das ist wahr. Allerdings hören wir Berater oft die etwas kurz greifende Ansicht, dass sich erst an dieser oder jener Arbeitsbedingung etwas ändern müsse – mehr Leute, weniger Arbeit, anderer Chef, usw. -, bevor es einem wirklich gut gehen könne.

Ja, es gibt zweifelsohne verschärfte Arbeitssituationen, auf die das zutrifft. In diesen Fällen sind die Personalabteilung und die Interessenvertretung wichtige Ansprechpartner für Sie.

Für die meisten Anliegen und Probleme bietet Beratung jedoch genau hier zwei große Chancen:

  • Zum einen hilft Ihnen die Beratung dabei, den Tunnelblick zu verlassen und damit die Einstellung „Ich kann nichts tun, solange DIE hier nichts ändern“. Damit wird der Blick frei für Erleichterungen, die schnell greifen. Denn oft stellt sich heraus, dass die vermeintliche Lösung wie z. B. „weniger Arbeit“ nicht oder nur teilweise „schuld“ ist. Etwa wenn sich bei einer Art Inventur zeigt, dass die eigentliche Arbeitsaufgabe regelmäßig an den Rand gedrängt wird, aufgrund von häufigen Unterbrechungen, Sonderaufgaben oder anderen Störungen.
  • Zum anderen fokussieren Sie sich auf sich und Ihre Handlungsmöglichkeiten – trotz Gegebenheiten oder Hürden, die nicht unmittelbar von Ihnen verändert werden können. Wir sind beruflich teilweise fremdbestimmt. Wenn wir dadurch beeinträchtigt, belastet oder genervt sind, dann ist es ganz menschlich, sich darauf zu fixieren – und das, was wir tatsächlich positiv beeinflussen können, völlig aus dem Blick zu verlieren.

In der Beratung interessieren wir uns deshalb auch für das „Drumherum“, in dem Sie arbeiten und dafür, welche Wege Sie bisher eingeschlagen haben, um damit klar zu kommen.

Zudem stärkt Beratung Ihren Rücken dort, wo es darum geht, einen Missstand aufzuzeigen und diesen konstruktiv an entscheidender Stelle einzubringen, damit sich mittelfristig auch die Rahmenbedingungen verbessern.

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3. „Ich hab eh schon genug um die Ohren und sehe keinen Sinn, darüber zu reden – oder gar rumzupsychologisieren.“

Ja, Mitarbeiter-Berater sind auch psychologisch geschult. Allerdings tragen wir keine Diagnostikbrille und therapieren nicht. Das bedeutet, wir halten uns nicht lange mit „Gründen“ auf oder mit grauen Theorien.  

Ihre Gefühle und Ihr Wohlbefinden sind dagegen von großer Bedeutung. Denn alles, was wir erleben, ist mit Emotionen verbunden. Ihr Erleben und was Sie sich wünschen, spielt deshalb eine zentrale Rolle in der Beratung.

Je bedrückender die Situation ist, desto wichtiger ist es, darüber zu sprechen und verstanden zu werden. Das alleine bringt oft schon eine erste Erleichterung. Im nächsten Schritt helfen Berater die Lage zu sortieren und zu überblicken. Das verschafft Ihnen Luft und Orientierung für die nächsten Schritte.

Statt reaktiv im Strudel stecken zu bleiben, bekommen Sie die Zügel wieder in die eigene Hand.

4. „Berater haben ihre eigenen Vorstellungen und Standardtipps, die sie jedem geben – Ich weiß selbst am besten, was gut für mich ist.“

Zugegeben, es mag Berater geben, die so arbeiten, und möglicherweise sprechen Sie aus Erfahrung. Bei meinem Team und mir ist das nicht so!

Wenn Sie einen neuen Versuch wagen, werden Sie sehr schnell feststellen, ob Sie mit Ihrem Anliegen im Zentrum der Beratung stehen oder ob man Sie mit allgemeinen Ratschlägen abspeisen will, denn „klug daherreden“ ist keine Beratung.

Eine gute Beratung setzt bei Ihren Bedürfnisse und Ziele an – beziehungsweise hilft Beratung Ihnen dabei, sich darüber klar zu werden.

Ohne Zweifel wissen Sie am besten, was gut für Sie ist. Je stressiger und belastender Ihre berufliche Situation ist, geht dieses Wissen jedoch ganz schnell baden. Stattdessen wird man immer reaktiver und das, was einem gut tut, kommt einem gar nicht mehr in den Sinn.

Beratung hilft Ihnen dabei, verschüttete Bedürfnisse auszudrücken und passendende Auswege aus Drucksituationen zu finden.  

5. „Was Berater sagen, ist alles graue Theorie, mit der Umsetzung werde ich alleingelassen.“

Das ist bei uns nicht so! Wir gehen sehr praktisch vor und interessieren uns für Ihre aktuelle Situation oder an welchen Kanten und Ecken Sie sich stoßen.

Wir finden gemeinsam die kleinstmöglichen Schritte für Sie, die für Sie unmittelbar in Ihrem Alltag und ohne die Erlaubnis von Dritten machen können, um die Lage zu entspannen.

Ihre Erfahrungen mit diesen Minischritten sind Thema in der folgenden Beratung. Wir werten gemeinsam aus, ergänzen und erweitern Ihre Schritte, so wie es für Sie passt. Und wir feiern Ihre Fortschritte. : -)

Mitarbeiter-Beratung hilft

Beratung hilft Ihnen dabei, runterzukommen, sich zu sortieren und die kleinsten gangbaren Schritte hin zur Entlastung zu finden und zu gehen. Sie werden feststellen, dass Sie sich zukünftig geschickter durch stressige Situationen navigieren und gut auf sich achtgeben.   

Jetzt brauchen Sie noch zwei Dinge, um sich Beratung zu holen:

  1. Mut für den ersten Schritt

Sprechen Sie einfach mal mit uns und schauen Sie, ob die Chemie stimmt. Haben Sie Vorbehalte? Immer raus damit! Sie können uns alles sagen.

Wenn Sie skeptisch sind, fragen Sie nach Erfahrungen, die andere mit unserer Beratung gemacht haben, und lassen Sie sich eine Empfehlung geben. Dann sind Sie auf der sicheren Seite, und der erste Schritt wird leichter.

  1. Vertrauen in die Schweigepflicht sowie Vertrauen in die Person des Beraters

Selbstverständlich bleibt alles, was wir in einer Beratung besprechen, unter uns! Nicht nur weil Verschwiegenheit absolute Berufspflicht ist, sondern weil wir zwei ein Vertrauensverhältnis brauchen, damit Sie sicher und ganz offen mit uns reden können. Das gilt immer, natürlich auch dann, wenn der Arbeitgeber uns bezahlt.

Ob Sie Vertrauen zu einem Berater aufbauen können, werden Sie bereits im ersten Gespräch feststellen. Wenn es nicht so recht für Sie stimmt, dann sprechen Sie es bitte offen an, bei Ihrem Berater oder bei mir, wenn Sie sich unwohl fühlen, es direkt zu sagen. Es kommt immer mal vor, dass man mit Menschen mal besser, mal schlechter zurechtkommt. Wir freuen uns über Ihre Offenheit.

Viel Mut und tolle Fortschritte bei Ihrer nächsten Beratung!

Ihre

Karin Vittinghoff

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