Ist das schon ein Burnout – oder bin ich nur erschöpft?

von | Jan 23, 2020 | Stress-Symptome reduzieren

Woran Sie ein Burnout erkennen

Es gibt viel Ratlosigkeit bei Betroffenen zum Thema Burnout. Obwohl der Begriff dauernd in den Medien verwendet wird, bleibt vielen unklar, was das eigentlich ist.

In meiner Blogartikelserie über Burnout fließen mehr als 10 Jahre Beratungserfahrung mit Menschen ein, die mit dieser Diagnose oder dem Verdacht darauf in meine Beratungspraxis kamen.

In meinen Blogartikeln über das Burnout erfahren Sie

  • Woran erkennen Sie einen Burnout?
  • Wie konnte es soweit kommen?
  • Welche Behandlung ist erfolgversprechend?
  • Wie können Familie, Kollegen und Freunde helfen?

Haben Sie Burnout oder sind Sie einfach mal erschöpft?

Ich fang mal gleich mit dem schwersten Teil an: Sich einzugestehen, erschöpft zu sein, ist schon die größte Hürde.

Sicher sind Sie stolz auf Ihre Leistungskraft und vertrauen darauf, all das umsetzen zu können, was Sie für Ihren Job und Ihr Privatleben so geplant haben. Da ist es äußert misslich, wenn so ein Störfeuer die Pläne durchkreuzt, und der Körper nicht mehr so funktioniert, wie man es halt immer gewohnt war.

Stellt sich die Frage: Müssen Sie das ernst nehmen oder gibt sich das von selbst?

Zuerst die kurze Antwort

Vorübergehende Erschöpfung kennt jeder und passiert vor allem nach anstrengenden Phasen. Wir sind dann z. B. lustlos, müde und gleichzeitig nervös, kommen schlecht runter usw.

Wenn Sie dann kürzertreten, z. B. am Abend oder am Wochenende, und merken, dass es Ihnen wieder bes­ser geht, dann ist das ein sehr gesundes Zeichen und spricht gegen ein Burnout.

Wenn Sie dagegen selbst nach einem 2-wöchi­gen Urlaub keinerlei Erholung spüren und die Erschöpfung anhält, dann sollten Sie das ernst neh­men.

Burnout als Risikozustand eine Depression zu entwickeln

Ärzte definieren Burnout als einen „Risikozustand zur Entwicklung psychischer Erkrankun­gen“.

Burnout ist eine tiefgreifende Erschöpfung aufgrund einer langen Zeit der Überforderung. Folgerichtig wird es von ärztlicher Seite nicht als Krankheit definiert.

Ab einem bestimmten Fortschritt der Erschöpfung kommt eine Depression hinzu. Das ist eine psychische Erkrankung, die diagnostizierbar und behandelbar ist.

Früher sprach man deshalb Sinnerklärend von einer „Erschöpfungsdepression“.

Wenn also jemand mit Burnout krankgeschrieben wird, geschieht dies immer im Zusammenhang mit einer sogenannten Hauptdiagnose.

Und die Depression ist eine solche. Die Hauptdiganose lautet dann: Depression. Zusatzdiagnose: Burnout.  

Meine Definition von Burnout

Burnout fängt da an, wo Sie über Wochen und Monate innerlich nicht mehr zur Ruhe kommen und abschalten können.

Das kann sein, weil Sie an sieben Tagen die Woche hohe Anfor­derungen erfüllen, weil Sie neben dem Beruf auch privat sehr eingespannt sind.  Oder Sie haben Ruhephasen, aber nichts hilft, um innerlich zur Ruhe und Erholung zu kommen.

Wenn das eingetreten ist, ist Ihre natürli­che Fähigkeit sich zu Erholung, bereits stark eingeschränkt. Das heißt, selbst wenn Sie sich Ruhe gönnen und abschalten wollen, spüren Sie keinen spürbaren Effekt.

Wenn Sie außerdem körperliche Schwächephasen erleben und Stimmungstiefs, die für Sie untypisch sind oder Ängste sich breit machen, dann spricht das dafür, dass Sie eine ernste Erschöpfung haben, also im Burnout angekommen sind.

Tiefgreifende Erschöpfung kommt nicht über Nacht

Burnout entwickelt sich wie schlechte Luft in einem geschlossenen Raum. Sie merken es lange Zeit nicht – ganz besonders, wenn Sie selbst betroffen sind.

Die Über­gänge von Erschöpfung zu Burnout und zur Erschöpfungsdepression sind fließend.

Veränderungen treten allmählich ein, und die betreffen keineswegs nur den Körper. Genau­genommen reagiert der Körper oft erst an letzter Stelle und ist auch derjenige, der als letzter wieder fit wird.

Vorher verändern sich Ihr Denken, Ihre Stim­mung und Ihr Verhalten. Das wird oft übersehen oder nicht im Zusammenhang betrach­tet.

Überprüfen Sie sich selbst. Die folgenden vier Warnsignale beschreiben die Entwicklung hinein in das Burnout. 

Warnsignal: Die Stimmung wird allmählich trüber

Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, dann gestehen Sie sich vielleicht ein, dass Sie sich für Ihre Kollegen, Freunde, Patienten und Kunden weniger interessieren als früher. Der Umgang mit denen ist so anstrengend geworden. Alle wollen was von Ihnen.

Sie bleiben deshalb mehr für sich und sagen immer häufiger Verabredungen ab. Das muss nichts Schlechtes sein, wenn Ihnen das gut tut.

Wenn Ihr Erleben aber ein mehr oder weniger dauerndes Genervt-sein von anderen ist, kann das eines der Frühwarnsignale für tiefgreifende Erschöpfung sein.

Warnsignal: Die Arbeit war früher viel leichter

Früher fanden Sie Sprüche der Kollegen unmöglich, die, „geht nicht, das machen wir nicht“, sagten, ohne überhaupt nach­gedacht zu haben. Heute ertappen Sie sich selbst dabei, Anfragen oder Neuerungen in Ihrem Team genauso zu beantworten, wenigstens in Ihren Gedanken, aussprechen wollen Sie es vermutlich lieber nicht.

Es ist für Sie so anstrengend geworden, ständig irgendwas umstellen zu müssen.

Sie wollen nur noch Ihre Arbeit schaffen und den Tag irgendwie durchhalten.

Warnsignal: Das Aufstehen wird zur Qual

Sie sind besten Willens und wollen den Tag aktiv angehen? Doch schon das Aufstehen fällt schwer.

Die Aufgaben des Tages liegen wie ein Schleier auf Ihrem Gemüt. Sie beten herunter, was alles ansteht und legen los, kaum dass Sie an Ihrem Arbeitsplatz angekommen sind.

Wenn Sie sich beeilen, so sagen Sie sich, dann kriegen Sie den Tag gewuppt. Und so hetzen Sie durch den Tag.

Die Kanne Tee, die Sie mitgenommen haben, steht am Abend noch voll auf ihrem Platz, der Apfel ist nur angebissen.

Erschöpft fahren Sie nach Hause und wollen nur noch aufs Sofa.  

Warnsignal: Die Einstellung, dass alles genauso weiter gehen muss

Sie merken schon eine Weile, dass etwas nicht stimmt. Sie ahnen auch, dass Ihre Belastun­gen auf Dauer zu hoch sind. Dennoch stehen Ihre Aufgaben und Pflichten im Zentrum Ihres Tages.

Überzeugungen wie: „Ich kann nichts machen, ich muss durchhalten.“ „Wenn ich mich nicht kümmere, macht das keiner.“ „Sonst bekomme ich eine Abmahnung.“ „Die anderen denken sonst, ich wäre faul.“ zeigen den Tunnelblick, den schwer Erschöpfte oft entwickeln.

Die Verantwortung für Ihr Wohlbefinden haben Sie auf Ihren Arzt delegiert. Sie waren auch schon bei ihm. Sie wollen, dass er Ihnen etwas verschreibt, damit Sie wieder besser schlafen können und Sie mehr Energie kriegen.

Warum Sie sich bisher keine Beratung gegönnt haben

Sie haben sich keine Beratung geholt, weil es ja immer irgendwie ging.

Es gibt drei triftige Gründe, warum Betroffene, die lange Zeit bis zur Notabschaltung durch den Körper zu wenig unternehmen:

 1. Die Vorstellung „Ich kann nichts ändern.“ Dieser Gedanke der Ausweglosigkeit, oder besser gesagt, dieser „Tunnelblick“ ist ein Symptom des Burnout-Geschehens.

2. Die Überzeugung „Um aus diesem Hamsterrad auszusteigen, muss ich den Job und/oder meinen Partner verlassen oder eine andere große Veränderung herbeiführen und dafür habe ich weder das Geld, noch die Zeit, noch die Energie“.

3. Sie haben Hilfe gesucht und nach erfolglosen Versuchen wieder aufgegeben.

Die Notbremsung durch den Körper

Wenn Sie nichts unternehmen, tut es irgendwann Ihr Körper. Wenn das eintritt, verlieren Sie die Steuerung über Teile Ihrer Handlungsfähigkeit, weil der Körper eine Notbremsung auslöst, um Sie vor weiteren Schaden durch Überforderung zu schützen.

Diese Ausnahmezustände werden oft als Zusammenbruch erlebt und können z. B. so aussehen:

  • Sie kommen morgens trotz guten Willens nicht mehr aus dem Bett
  • Sie stehen plötzlich in einem Gefühl aus Watte, durch das Sie alles nur entfernt sehen, und kommen sich vor wie ein Alien ohne Verbindung zu Ihrer Umwelt
  • Oder Sie hatten nach einem relativ harmlosen Auslöser einen unkontrollierten Heul- oder Wutanfall.

Burnout kurz zusammengefasst

  • Anzeichen für Burnout: Sie können sich nicht mehr erholen
  • Burnout ist ein Risikozustand zur Entwicklung einer psychischen Erkrankung
  • Warnsignale bei der Entwicklung eines Burnout (mit fließenden Übergängen) sind diese Veränderungen: Ihre Stimmung ist meistens schlecht, die Arbeit und andere Menschen werden zunehmend anstrengender für Sie, das Aufstehen fällt Ihnen trotz hoher Motivation schwer und Sie können sich nur schwer vorstellen, dass es einen Ausweg gibt oder Ihnen jemand helfen könnte. 

Was Sie jetzt sofort tun können

1. Den Ausweg aus dem Burnout freilegen

Falls Sie Ihre Situation als ausweglos empfinden und niemand Ihnen bislang eine Lösung prä­sentieren konnte, die für Sie passen würde, dann empfehle ich Ihnen diese innere Offenheit:

Behalten Sie sich gedanklich die Möglichkeit offen, dass Sie Lösungswege übersehen haben könnten und beraten Sie sich mit einer Person Ihres Vertrauens.

Aus meiner Beratungserfahrung weiß ich, dass oft überraschende Lösungsansätze entstehen, mit denen keiner – auch ich nicht – gerechnet hat.

Bei allen Lösungswegen empfehle ich Ihnen darauf zu achten, dass diese Schritte zur Veränderung aus eigener Kraft machbar und dass sie klein sind, damit Sie schnell zu einer spürbaren Entlastung kommen.

2. Sie brauchen Ihr Leben nicht umzukrempeln

Dass Ihnen Energie für große Veränderungen fehlt, ist sehr wahrscheinlich.

Dass Sie viel Zeit und Geld brauchen, um aus der Erschöpfung zu kommen, kann sein, wenn Sie vorhaben, Ihr ganzes bisheriges Leben umzukrempeln. Aus meiner Sicht sind das aber nie die ersten Schritte hin zu einer Entlastung.

Spürbare Erholung und Energieaufbau stehen bei meinen Kunden immer im Fokus. Sobald die Energie wieder da ist, die gute Stimmung zurück ist und die Gedanken leichter werden, ist ein guter Zeitpunkt gekommen, über größere Pläne nachzudenken, wenn Sie das dann überhaupt noch wollen.

3. Unterstützung finden

Wenn Sie zu denen gehören, die aktiv geworden sind und überlegt haben, wen kann ich mal ansprechen und das auch umgesetzt haben: Glückwunsch! Das ist nicht selbstverständlich.

Umso blöder, wenn Sie die Erfahrung gemacht haben, dass man Ihnen entweder nicht zuge­hört, Ihr Anliegen nicht ernst genommen oder Sie ungefragt mit allgemeinen Ratschlägen „versorgt“ hat.

Leider kann Ihnen das mit vertrauten Menschen ebenso passieren wie bei manchen Psycho­therapeuten oder Ärzten.

Wenn Sie das auch erlebt haben, möchte ich Sie ausdrücklich er­muntern, weiterzusuchen und einen neuen Versuch zu starten. Fragen Sie in Ihrem Umfeld nach guten Erfahrungen mit Beratern, Therapeuten und Ärzten. Fragen Sie auch nach, was genau das für die empfehlende Person dort gut war und entscheiden Sie, ob das auch für Sie wichtig ist.

Wenn Sie auf einen Berater, Arzt oder Therapeuten stoßen, der auf Sie eingeht und an Ihrem Wohlbefinden interessiert ist, merken Sie das sofort. Sie wissen dann: Hier bin ich richtig. 

Die gute Nachricht

Die Entwicklung einer Erschöpfung und eines Burnouts können Sie in allen Phasen stoppen! Sie können in jeder Phase da­mit beginnen, die inneren Akkus wieder aufzuladen.

Ich weiß, was Sie sagen wollen: Ich hab gut reden, denn es gibt bei Ihnen grad keinen Ausweg.

Kann gut sein, dass sich für Sie im Moment kein akzeptabler Ausweg zeigt.

Was Sie aber in jedem Fall jetzt tun können ist, eine Entscheidung zu treffen.

Entscheiden Sie sich jetzt für eine neue innere Haltung und machen Sie einen ersten Schritt:

  • Bleiben Sie offen dafür, dass es auch für Ihre Situation einen akzeptablen Ausweg gibt (siehe 1. Den Ausweg freilegen).
  • Machen Sie sich frei von der Vorstellung, dass Sie massive Lebensveränderungen brauchen, um aus der Erschöpfung zu kommen. (siehe 2. Sie brauchen Ihr Leben nicht umzukrempeln).
  • Holen Sie Empfehlungen über Behandler ein (siehe 3. Unterstützung finden) und wählen Sie einen aus.

Ihre Karin Vittinghoff

Auf Ihre Gesundheit

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