Ist das schon ein Burnout — oder bin ich nur erschöpft?

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Woran Sie ein Burnout erkennen

Es gibt viel Ratlo­sig­keit bei Betrof­fenen zum Thema Burnout. Obwohl der Begriff dauernd in den Medien verwendet wird, bleibt vielen unklar, was das eigent­lich ist.

In meiner Blog­ar­ti­kel­serie über Burnout fließen mehr als 10 Jahre Bera­tungs­er­fah­rung mit Menschen ein, die mit dieser Diagnose oder dem Verdacht darauf in meine Bera­tungs­praxis kamen.

In meinen Blog­ar­ti­keln über das Burnout erfahren Sie

  • Woran erkennen Sie einen Burnout?
  • Wie konnte es soweit kommen?
  • Welche Behand­lung ist erfolg­ver­spre­chend?
  • Wie können Familie, Kollegen und Freunde helfen?

Haben Sie Burnout oder sind Sie einfach mal erschöpft?

Ich fang mal gleich mit dem schwersten Teil an: Sich einzu­ge­stehen, erschöpft zu sein, ist schon die größte Hürde.

Sicher sind Sie stolz auf Ihre Leis­tungs­kraft und vertrauen darauf, all das umsetzen zu können, was Sie für Ihren Job und Ihr Privat­leben so geplant haben. Da ist es äußert miss­lich, wenn so ein Stör­feuer die Pläne durch­kreuzt, und der Körper nicht mehr so funk­tio­niert, wie man es halt immer gewohnt war.

Stellt sich die Frage: Müssen Sie das ernst nehmen oder gibt sich das von selbst?

Zuerst die kurze Antwort

Vorüber­ge­hende Erschöp­fung kennt jeder und passiert vor allem nach anstren­genden Phasen. Wir sind dann z. B. lustlos, müde und gleich­zeitig nervös, kommen schlecht runter usw.

Wenn Sie dann kürzer­treten, z. B. am Abend oder am Wochen­ende, und merken, dass es Ihnen wieder bes­ser geht, dann ist das ein sehr gesundes Zeichen und spricht gegen ein Burnout.

Wenn Sie dagegen selbst nach einem 2‑wöchi­gen Urlaub keinerlei Erho­lung spüren und die Erschöp­fung anhält, dann sollten Sie das ernst neh­men.

Burnout als Risi­ko­zu­stand eine Depres­sion zu entwi­ckeln

Ärzte defi­nieren Burnout als einen „Risi­ko­zu­stand zur Entwick­lung psychi­scher Erkrankun­gen“.

Burnout ist eine tief­grei­fende Erschöp­fung aufgrund einer langen Zeit der Über­for­de­rung. Folge­richtig wird es von ärzt­li­cher Seite nicht als Krank­heit defi­niert.

Ab einem bestimmten Fort­schritt der Erschöp­fung kommt eine Depres­sion hinzu. Das ist eine psychi­sche Erkran­kung, die diagnos­ti­zierbar und behan­delbar ist.

Früher sprach man deshalb Sinnerklä­rend von einer „Erschöp­fungs­de­pres­sion“.

Wenn also jemand mit Burnout krank­ge­schrieben wird, geschieht dies immer im Zusam­men­hang mit einer soge­nannten Haupt­dia­gnose.

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Und die Depres­sion ist eine solche. Die Haupt­di­ga­nose lautet dann: Depres­sion. Zusatz­dia­gnose: Burnout.  

Meine Defi­ni­tion von Burnout

Burnout fängt da an, wo Sie über Wochen und Monate inner­lich nicht mehr zur Ruhe kommen und abschalten können.

Das kann sein, weil Sie an sieben Tagen die Woche hohe Anfor­derungen erfüllen, weil Sie neben dem Beruf auch privat sehr einge­spannt sind.  Oder Sie haben Ruhe­phasen, aber nichts hilft, um inner­lich zur Ruhe und Erho­lung zu kommen.

Wenn das einge­treten ist, ist Ihre natürli­che Fähig­keit sich zu Erho­lung, bereits stark einge­schränkt. Das heißt, selbst wenn Sie sich Ruhe gönnen und abschalten wollen, spüren Sie keinen spür­baren Effekt.

Wenn Sie außerdem körper­liche Schwä­che­phasen erleben und Stim­mungs­tiefs, die für Sie unty­pisch sind oder Ängste sich breit machen, dann spricht das dafür, dass Sie eine ernste Erschöp­fung haben, also im Burnout ange­kommen sind.

Tief­grei­fende Erschöp­fung kommt nicht über Nacht

Burnout entwi­ckelt sich wie schlechte Luft in einem geschlos­senen Raum. Sie merken es lange Zeit nicht – ganz beson­ders, wenn Sie selbst betroffen sind.

Die Über­gänge von Erschöp­fung zu Burnout und zur Erschöp­fungs­de­pres­sion sind flie­ßend.

Verän­de­rungen treten allmäh­lich ein, und die betreffen keines­wegs nur den Körper. Genau­genommen reagiert der Körper oft erst an letzter Stelle und ist auch derje­nige, der als letzter wieder fit wird.

Vorher verän­dern sich Ihr Denken, Ihre Stim­mung und Ihr Verhalten. Das wird oft über­sehen oder nicht im Zusam­men­hang betrach­tet.

Über­prüfen Sie sich selbst. Die folgenden vier Warn­si­gnale beschreiben die Entwick­lung hinein in das Burnout. 

Warn­si­gnal: Die Stim­mung wird allmäh­lich trüber

Wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind, dann gestehen Sie sich viel­leicht ein, dass Sie sich für Ihre Kollegen, Freunde, Pati­enten und Kunden weniger inter­es­sieren als früher. Der Umgang mit denen ist so anstren­gend geworden. Alle wollen was von Ihnen.

Sie bleiben deshalb mehr für sich und sagen immer häufiger Verab­re­dungen ab. Das muss nichts Schlechtes sein, wenn Ihnen das gut tut.

Wenn Ihr Erleben aber ein mehr oder weniger dauerndes Genervt-sein von anderen ist, kann das eines der Früh­warn­si­gnale für tief­grei­fende Erschöp­fung sein.

Warn­si­gnal: Die Arbeit war früher viel leichter

Früher fanden Sie Sprüche der Kollegen unmög­lich, die, „geht nicht, das machen wir nicht“, sagten, ohne über­haupt nach­gedacht zu haben. Heute ertappen Sie sich selbst dabei, Anfragen oder Neue­rungen in Ihrem Team genauso zu beant­worten, wenigs­tens in Ihren Gedanken, ausspre­chen wollen Sie es vermut­lich lieber nicht.

Es ist für Sie so anstren­gend geworden, ständig irgendwas umstellen zu müssen.

Sie wollen nur noch Ihre Arbeit schaffen und den Tag irgendwie durch­halten.

Warn­si­gnal: Das Aufstehen wird zur Qual

Sie sind besten Willens und wollen den Tag aktiv angehen? Doch schon das Aufstehen fällt schwer.

Die Aufgaben des Tages liegen wie ein Schleier auf Ihrem Gemüt. Sie beten herunter, was alles ansteht und legen los, kaum dass Sie an Ihrem Arbeits­platz ange­kommen sind.

Wenn Sie sich beeilen, so sagen Sie sich, dann kriegen Sie den Tag gewuppt. Und so hetzen Sie durch den Tag.

Die Kanne Tee, die Sie mitge­nommen haben, steht am Abend noch voll auf ihrem Platz, der Apfel ist nur ange­bissen.

Erschöpft fahren Sie nach Hause und wollen nur noch aufs Sofa.  

Warn­si­gnal: Die Einstel­lung, dass alles genauso weiter gehen muss

Sie merken schon eine Weile, dass etwas nicht stimmt. Sie ahnen auch, dass Ihre Belastun­gen auf Dauer zu hoch sind. Dennoch stehen Ihre Aufgaben und Pflichten im Zentrum Ihres Tages.

Über­zeu­gungen wie: „Ich kann nichts machen, ich muss durch­halten.“ „Wenn ich mich nicht kümmere, macht das keiner.“ „Sonst bekomme ich eine Abmah­nung.“ „Die anderen denken sonst, ich wäre faul.“ zeigen den Tunnel­blick, den schwer Erschöpfte oft entwi­ckeln.

Die Verant­wor­tung für Ihr Wohl­be­finden haben Sie auf Ihren Arzt dele­giert. Sie waren auch schon bei ihm. Sie wollen, dass er Ihnen etwas verschreibt, damit Sie wieder besser schlafen können und Sie mehr Energie kriegen.

Warum Sie sich bisher keine Bera­tung gegönnt haben

Sie haben sich keine Bera­tung geholt, weil es ja immer irgendwie ging.

Es gibt drei trif­tige Gründe, warum Betrof­fene, die lange Zeit bis zur Notab­schal­tung durch den Körper zu wenig unter­nehmen:

 1. Die Vorstel­lung „Ich kann nichts ändern.“ Dieser Gedanke der Ausweg­lo­sig­keit, oder besser gesagt, dieser „Tunnel­blick“ ist ein Symptom des Burnout-Gesche­hens.

2. Die Über­zeu­gung „Um aus diesem Hams­terrad auszu­steigen, muss ich den Job und/oder meinen Partner verlassen oder eine andere große Verän­de­rung herbei­führen und dafür habe ich weder das Geld, noch die Zeit, noch die Energie“.

3. Sie haben Hilfe gesucht und nach erfolg­losen Versu­chen wieder aufge­geben.

Die Notbrem­sung durch den Körper

Wenn Sie nichts unter­nehmen, tut es irgend­wann Ihr Körper. Wenn das eintritt, verlieren Sie die Steue­rung über Teile Ihrer Hand­lungs­fä­hig­keit, weil der Körper eine Notbrem­sung auslöst, um Sie vor weiteren Schaden durch Über­for­de­rung zu schützen.

Diese Ausnah­me­zu­stände werden oft als Zusam­men­bruch erlebt und können z. B. so aussehen:

  • Sie kommen morgens trotz guten Willens nicht mehr aus dem Bett
  • Sie stehen plötz­lich in einem Gefühl aus Watte, durch das Sie alles nur entfernt sehen, und kommen sich vor wie ein Alien ohne Verbin­dung zu Ihrer Umwelt
  • Oder Sie hatten nach einem relativ harm­losen Auslöser einen unkon­trol­lierten Heul- oder Wutan­fall.

Burnout kurz zusam­men­ge­fasst

  • Anzei­chen für Burnout: Sie können sich nicht mehr erholen
  • Burnout ist ein Risi­ko­zu­stand zur Entwick­lung einer psychi­schen Erkran­kung
  • Warn­si­gnale bei der Entwick­lung eines Burnout (mit flie­ßenden Über­gängen) sind diese Verän­de­rungen: Ihre Stim­mung ist meis­tens schlecht, die Arbeit und andere Menschen werden zuneh­mend anstren­gender für Sie, das Aufstehen fällt Ihnen trotz hoher Moti­va­tion schwer und Sie können sich nur schwer vorstellen, dass es einen Ausweg gibt oder Ihnen jemand helfen könnte. 

Was Sie jetzt sofort tun können

1. Den Ausweg aus dem Burnout frei­legen

Falls Sie Ihre Situa­tion als ausweglos empfinden und niemand Ihnen bislang eine Lösung prä­sentieren konnte, die für Sie passen würde, dann empfehle ich Ihnen diese innere Offen­heit:

Behalten Sie sich gedank­lich die Möglich­keit offen, dass Sie Lösungs­wege über­sehen haben könnten und beraten Sie sich mit einer Person Ihres Vertrauens.

Aus meiner Bera­tungs­er­fah­rung weiß ich, dass oft über­ra­schende Lösungs­an­sätze entstehen, mit denen keiner – auch ich nicht – gerechnet hat.

Bei allen Lösungs­wegen empfehle ich Ihnen darauf zu achten, dass diese Schritte zur Verän­de­rung aus eigener Kraft machbar und dass sie klein sind, damit Sie schnell zu einer spür­baren Entlas­tung kommen.

2. Sie brau­chen Ihr Leben nicht umzu­krem­peln

Dass Ihnen Energie für große Verän­de­rungen fehlt, ist sehr wahr­schein­lich.

Dass Sie viel Zeit und Geld brau­chen, um aus der Erschöp­fung zu kommen, kann sein, wenn Sie vorhaben, Ihr ganzes bishe­riges Leben umzu­krem­peln. Aus meiner Sicht sind das aber nie die ersten Schritte hin zu einer Entlas­tung.

Spür­bare Erho­lung und Ener­gie­aufbau stehen bei meinen Kunden immer im Fokus. Sobald die Energie wieder da ist, die gute Stim­mung zurück ist und die Gedanken leichter werden, ist ein guter Zeit­punkt gekommen, über größere Pläne nach­zu­denken, wenn Sie das dann über­haupt noch wollen.

3. Unter­stüt­zung finden

Wenn Sie zu denen gehören, die aktiv geworden sind und über­legt haben, wen kann ich mal anspre­chen und das auch umge­setzt haben: Glück­wunsch! Das ist nicht selbst­ver­ständ­lich.

Umso blöder, wenn Sie die Erfah­rung gemacht haben, dass man Ihnen entweder nicht zuge­hört, Ihr Anliegen nicht ernst genommen oder Sie unge­fragt mit allge­meinen Ratschlägen „versorgt“ hat.

Leider kann Ihnen das mit vertrauten Menschen ebenso passieren wie bei manchen Psycho­therapeuten oder Ärzten.

Wenn Sie das auch erlebt haben, möchte ich Sie ausdrück­lich er­muntern, weiter­zu­su­chen und einen neuen Versuch zu starten. Fragen Sie in Ihrem Umfeld nach guten Erfah­rungen mit Bera­tern, Thera­peuten und Ärzten. Fragen Sie auch nach, was genau das für die empfeh­lende Person dort gut war und entscheiden Sie, ob das auch für Sie wichtig ist.

Wenn Sie auf einen Berater, Arzt oder Thera­peuten stoßen, der auf Sie eingeht und an Ihrem Wohl­be­finden inter­es­siert ist, merken Sie das sofort. Sie wissen dann: Hier bin ich richtig. 

Die gute Nach­richt

Die Entwick­lung einer Erschöp­fung und eines Burnouts können Sie in allen Phasen stoppen! Sie können in jeder Phase da­mit beginnen, die inneren Akkus wieder aufzu­laden.

Ich weiß, was Sie sagen wollen: Ich hab gut reden, denn es gibt bei Ihnen grad keinen Ausweg.

Kann gut sein, dass sich für Sie im Moment kein akzep­ta­bler Ausweg zeigt.

Was Sie aber in jedem Fall jetzt tun können ist, eine Entschei­dung zu treffen.

Entscheiden Sie sich jetzt für eine neue innere Haltung und machen Sie einen ersten Schritt:

  • Bleiben Sie offen dafür, dass es auch für Ihre Situa­tion einen akzep­ta­blen Ausweg gibt (siehe 1. Den Ausweg frei­legen).
  • Machen Sie sich frei von der Vorstel­lung, dass Sie massive Lebens­ver­än­de­rungen brau­chen, um aus der Erschöp­fung zu kommen. (siehe 2. Sie brau­chen Ihr Leben nicht umzu­krem­peln).
  • Holen Sie Empfeh­lungen über Behandler ein (siehe 3. Unter­stüt­zung finden) und wählen Sie einen aus.

Ihre Karin Vitting­hoff

Auf Ihre Gesund­heit

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