Diagnose Burnout – Was der Arzt damit meint und warum profes­sio­nelle Bera­tung sinn­voll ist

Stress-Symptome reduzieren | 2 Kommentare

Wenn Sie die Diagnose Burnout bekommen haben, hatten Sie viel­leicht einen Gedanken wie „ein Bein­bruch wäre mir lieber“. Knochen­brüche lassen sich bei anderen besser „verkaufen“, Sie würden oben­drein noch bedauert oder zumin­dest nicht komisch ange­guckt. Außerdem bräuchten Sie dann nur den Anwei­sungen des Arztes folgen und sich weiter nicht um Ihre Gene­sung kümmern.

Ganz anders bei Burnout! Hier können Sie die Heilung nicht an den Arzt dele­gieren, denn er kann Sie nicht gesund machen. Burnout hat etwas mit den eigenen Lebens­um­ständen zu tun. Deshalb löst die Diagnose oft erst einmal einen Schock und Ratlo­sig­keit bei Betrof­fenen aus.

Verständ­lich, dass der erste Schritt zur Heilung zugleich der schwerste ist: Die Diagnose anzu­nehmen und verstehen zu lernen, dass man selbst gefor­dert ist, um gesund zu werden.

Burnout ist eine unbe­queme Diagnose – Wie sieht das die Schul­me­dizin?

Auch für den Arzt ist Burnout eine Heraus­for­de­rung. Es geht schon damit los, dass er keine Rönt­gen­bilder oder sons­tigen „eindeu­tigen Beweise“ für seine Diagnose heran­ziehen kann.

Betrof­fene leiden oft unter körper­li­chen Symptomen, wie z. B. Herz­rasen, Herz­schmerzen oder Ener­gie­mangel. Sind aber alle Unter­su­chungen gemacht und ist trotz der körper­li­chen Beschwerden orga­nisch alles okay, sucht der Arzt die Antworten im Gespräch.

Er fragt dann z. B. nach den Lebens­um­ständen und vor allem nach Stress­fak­toren, nach der Stim­mung und dem Ener­gie­pegel seines Pati­enten und leitet seine Diagnose daraus ab.

Für die Schul­me­dizin ist Burnout keine Krank­heit.
Burnout wird als Risiko gewertet, psychisch zu erkranken.

Die neue Defi­ni­tion der WHO von Burnout lautet ab Januar 2022:

„Burnout wird als ein Syndrom verstanden, das als Folge chro­ni­schen arbeits­platz­be­zo­genen Stresses auftritt, der nicht erfolg­reich bewäl­tigt wurde. Es wird durch drei Dimen­sionen gekenn­zeichnet:

  • Gefühle von Ener­gie­ver­lust oder Erschöp­fung;
  • erhöhte innere Distanz zum eigenen Job oder jobbe­zo­gene Gefühle von Nega­ti­vismus oder Zynismus; und
  • vermin­derte beruf­liche Leis­tungs­fä­hig­keit.

Zitat:  Inter­na­tio­nale Diagno­se­schlüssel für psychi­sche Erkran­kungen (ICD11) ab 2022

Burnout steht dann im Abschnitt „Sons­tige Faktoren, die die Gesund­heit beein­träch­tigen“ und wird im fort­ge­schrit­tenen Stadium oft zusammen mit der Haupt­dia­gnose Depres­sion diagnos­ti­ziert. 

Wenn Sie betroffen sind und sich krank fühlen, kann das sehr unbe­frie­di­gend für Sie sein

Eine Krank­schrei­bung können Sie oft erst nach erheb­li­chem Fort­schreiten Ihrer tief­grei­fenden Erschöp­fung erwarten. Etwa wenn Sie mit der Zeit unbe­merkt einen Tunnel­blick entwi­ckeln und überall unlös­bare Probleme ohne Ausweg sehen, was Ihre Stim­mung in tiefste Keller treibt, wo sie — im Dunkeln hockend — nicht mehr raus will. Früher nannte man das sinni­ger­weise: Erschöp­fungs­de­pres­sion.

Ab 2022 wird Burnout neu defi­niert — Was bringt Ihnen das, wenn Sie betroffen sind?

Die neue Defi­ni­tion sagt

1. Der Stress am Arbeits­platz ist die Ursache.
2. Ihre fehlende Fähig­keit, diesen Stress gut „wegzu­ste­cken“, löst Burnout aus.

Der Finger zeigt also auf Sie und scheint zu sagen: Arbeite an Deiner Stress­re­sis­tenz!

Wie reagieren Sie auf die Idee, den Stress am Arbeits­platz zu verrin­gern? Ich vermute mal mit der Gegen­frage „Wie denn?“ oder mit „Kann ich doch nicht!“ und Achsel­zu­cken. Dicht gefolgt von der Grund­satz­frage

 „Muss ich dann meinen Job wech­seln, um gesund zu werden?“

Diese Frage ist verständ­lich, führt jedoch nur in die Verzweif­lung. Denn, falls das über­haupt eine Frage für Sie werden sollte, fest steht: Sie kommt viel zu früh, wenn man gerade im Burnout steckt. Erstens fehlt für solche Entschei­dung die Energie und zwei­tens lassen sich vorher andere, klei­nere und wirk­same Schritte finden, damit Sie erst mal wieder auf die Füße kommen.  

Krei­sende Gedanken, verbunden mit Schwarz­sehen, sind ein Symptom von Burnout und führen weiter in die Abwärts­spi­rale. Für Betrof­fene ist es deshalb extrem schwer, alleine aus diesem Gedan­ken­ka­rus­sell auszu­steigen.

Warum eine profes­sio­nelle Bera­tung jetzt ratsam ist

Burnout ist zwar eine psychi­sche Zusatz­dia­gnose. Die Auswir­kungen von Burnout erleben Sie als eine Form von Ener­gie­mangel, der sich auf diese vier wesent­li­chen Bereiche auswirken kann:

  • Die Leis­tungs­kraft, die deut­lich bis zum Total­aus­fall abnimmt.
  • Gedank­lich durch Tunnel­blick – Probleme erscheinen in Lupen­an­sicht endlos vergrö­ßert – Lösungen werden ausge­blendet.
  • Auf die Stim­mung, die sich immer weiter eintrübt, von Sich-nicht-mehr-freuen-können bis dazu, dass einem alles sinnlos vorkommt.
  • Sich zurück­ziehen, sich von anderen distan­zieren, weil „die einen nur ausnutzen wollen“ und man keine Kraft für mehr hat sich abzu­grenzen.

Das zeigt bereits, wie schwer es ist, sich in so einer Situa­tion selbst ein guter Berater zu sein. Unter diesen Umständen ist es kaum möglich, die eigenen Lebens­um­stände konstruktiv zu hinter­fragen.

Kleiner Exkurs: Kann ein Anti­de­pres­sivum helfen?

Bei einer Erschöp­fungs­de­pres­sion verschreibt der Arzt oft ein Anti­de­pres­sivum, verbunden mit dem Rat: Spannen Sie mal richtig aus und empfiehlt evt. eine Psycho­the­rapie.

Wichtig für Betrof­fene ist dabei: Ein Anti­de­pres­sivum heilt das Burnout nicht. Aber es kann erst einmal helfen, die Start­be­din­gungen für erfolg­reiche Psycho­the­rapie und Bera­tung zu schaffen. Das Anti­de­pres­sivum hat sowohl eine antrieb­stei­gernde wie stim­mungs­auf­hel­lende Wirkung, so dass es leichter fällt, sich mit den eigenen Arbeits- und Lebens­um­ständen zu befassen.

Auch mit Anti­de­pres­siva verlangt das weitere Vorgehen einiges von Ihnen ab, wenn Sie betroffen sind:

  • Erstens die Erfah­rung: Der Arzt, Thera­peut oder Berater kann Sie nicht gesund machen. Sie selbst werden kleine Verän­de­rungen vornehmen, die Sie gemeinsam bespro­chen haben und die genau für Sie passen.  
  • Zwei­tens den Mut aufzu­bringen, sich einzu­ge­stehen: So wie bisher können Sie nicht weiter machen – auch wenn noch nicht klar ist, was das genau heißt.  
  • Drit­tens die Unge­wiss­heiten zulassen: Dass der Körper sich die Zeit nimmt, die er braucht, sowie nicht zu wissen, wie sich Ihre wochen- oder mona­te­lange Abwe­sen­heit am Arbeits­platz für Sie auswirken wird.

Das ist eine völlig neue Situa­tion. Denn auch das eigene Bild über sich selbst gerät ins Wanken. Wer sich bis dahin an seiner Leis­tungs­kraft orien­tiert hat, fleißig war und vieles „gestemmt“ hat, findet sich im Burnout in einer ganz neuen Posi­tion wieder: Sich kraftlos zu erleben und Hilfe zu brau­chen. Diese Erfah­rung kann ziem­lich schmerz­lich sein. 

Der Weg zurück in die eigene Kraft ist gekenn­zeichnet von Höhen und Tiefen

Genau hier unter­stütze ich meine Kunden als psycho­so­ziale Bera­terin.

Auf dem Weg zurück in die Energie gibt es Einsichten, neue Erfah­rungen und guten Pläne. Ich verstehe mich dabei als Wegbe­glei­terin und als Anwältin Ihrer erho­lungs­be­dürf­tigen Seite, vor allem wenn neue (Selbst-) Über­for­de­rung sich ankün­digt.

Der Lohn eines über­wun­denen Burnout

… ist es, wieder bei sich selber an zu kommen, sich wieder zu spüren und echte Freude zu empfinden.

Diese Botschaft ist es, die mir von Menschen nach einem über­stan­denem Burnout mit einem Strahlen im Gesicht zum Ausdruck gebracht werden.  

Dieses Strahlen wünsche ich mir auch für Sie.

Ihre

Karin Vitting­hoff

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2 Kommentare

  1. Ingrid Brzoska

    Liebe Karin,
    wieder einmal ein wunder­barer Artikel. Aus eigener Erfah­rung weiß ich, dass mensch bei Burnout unbe­dingt profes­sio­nelle Hilfe benö­tigt. Das kann ich nur jedem Menschen raten, umso früher, umso besser.
    Herz­lichst
    Ingrid

    Antworten
    • Karin Vittinghoff

      Danke liebe Ingrid, genau so ist es, die Erschöp­fungs­krise lässt sich um so leichter beenden, je früher man gegen­steuert.

      Antworten

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